Eröffnung des Institutes für Frauengesundheit:

Eröffnung des Institutes für Frauengesundheit:

Eröffnung des Institutes für Frauengesundheit:
Von: Isa Berndt
Quelle: Ärzte Zeitung, 20.12.2005
TÜBINGEN (dpa). Frauen kommen in der medizinischen
Forschung nach Expertenansicht zu kurz. Obwohl Frauen- und
Männerkörper unterschiedlich reagieren, wird die meiste
Forschung an Männern gemacht, sagte der Leiter der Tübinger
Frauenklinik, Professor Diethelm Wallwiener, anläßlich der
Eröffnung des Instituts für Frauengesundheit.

Das Tübinger Zentrum soll Forschungsprojekte zu Erkrankungen
von Frauen anstoßen und deren Gesundheitsvorsorge
verbessern. Mediziner sollen sich unter anderem mit der
Verbesserung von Brustkrebstherapien beschäftigen. Auch
minimalinvasive Operationen zur Behebung von
Unterleibsbeschwerden oder Eileiterschwangerschaften sollen
weiter erforscht werden, sagte Wallwiener.

Der Professor will Vorbeugungsarbeit speziell für Frauen mit
Herz-Kreislauferkrankungen leisten. Als Vorbild dient ihm dabei
das Projekt „Frauenherzen schlagen anders“ der Deutschen
Seniorenliga in Bonn. Auch die Osteoporose, von der viele
Frauen betroffen sind, soll vorangig behandelt werden.

Die Verhinderung von Teenager-Schwangerschaften soll einen
weiteren Schwerpunkt der Arbeit des Tübinger Instituts bilden.
Trotz der vielfältigen, modernen Verhütungsmethoden werde es
in diesem Jahr mehr Schwangerschaftsabbrüche von unter
14jährigen geben, als je zuvor, sagte Wallwiener. Das neue
Institut werde so genannte „Flying Doctors“ einsetzen, um die
„MTV-Generation“ besser aufzuklären.

Das gesammelte Wissen zur Medizin für Frauen stellt das Institut
Ärzten und medizinischen Laien auf einer Internetseite zur
Verfügung.


Kurz vor Weihnachten wurden an der Universitätsfrauenklinik in Tübingen Frauenwünsche wahr. Zwar stellten ausschließlich männliche Redner am 16. Dezember das neu gegründete Institut für Frauengesundheit in Baden-Württemberg vor, aber die gynäkologische Leitung hat eine Frau. „Ganzheitlich“ wolle man sich dort der Frauenforschung widmen, erklärte Professor Teut Risler, Prorektor der Universität. Eine Reduktion der Frau auf Anatomie, Hormone und Psyche ist nicht das Ziel. Die Frau wird als eigene Person wahrgenommen. Das Konzept sieht unter anderem vor, bestehende Aktivitäten in der Forschung und Angebote zu Beratung und Information an den baden-württembergischen Universitätskliniken künftig zu vernetzen und aufeinander abzustimmen. In Baden-Württemberg existiere ein gutes Netz, meinte Professor Michael Bamberg. Das Institut entstand auf Initiative der Landesregierung mit finanzieller Unterstützung der Landesstiftung. Herbert Moser, Geschäftsführer der Landesstiftung, betonte die angestrebte Seriosität der Einrichtung. Sie sei zur wissenschaftlichen Neutralität verpflichtet und würde extern geprüft.

Im Institut soll aber nicht nur Bestehendes aufgegriffen, sondern sollen neue wissenschaftliche Studien zur Frauengesundheit initiiert werden. Auch die weitere Vermittlung von Wissen, über Bildungsangebote für Ärzte und medizinische Laien und eine Internetplattform, steht bisher auf dem Programm. Professor Walter Jonat, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, wandte sich speziell an Frauen mit dem Anspruch, mehr Verständnis auch für komplexe Zusammenhänge schaffen zu wollen.

Im Moment bietet das Kompetenznetz vor allem die Tübinger Frauenakademie an der Universität an. Dort können sich medizinische Laien einmal im Monat direkt von Ärzten Rat holen (www.frauenakademie.info). Unter der Leitung des Triumvirats Dr. Sara Brucker, gynäkologische Leitung, Professor Alfred Mück, wissenschaftliche Leitung, und Professor Diethelm Wallwiener, Geschäftsführer und Ärztlicher Direktor der Frauenklinik, sind bereits jetzt frauenspezifische Forschungsprojekte initiiert. Dazu gehören Studien zur Osteoporose und Herz-Kreislauf-Krankheiten. Mit ins Boot geholt werden sollen weitere Kliniken und niedergelassene Ärzte.

Sozialminister Andreas Renner hob die Einmaligkeit der Einrichtung in Deutschland hervor. Zwar existieren Institute ähnlicher Bezeichnung in Erlangen und Berlin. Doch dort werden entweder die universitätseigenen Forschungen gebündelt oder spezielle Themen bearbeitet. In Tübingen dagegen sollen die Studien ausgehend vom ganzheitlichen Konzept landesweit initiiert werden.

Als Anschubfinanzierung erhielt das Institut zweieinhalb Millionen Euro, was in etwa die Hälfte der Unkosten für fünf Jahre trägt. Danach sind Sponsoren gefragt.


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